Montag, 20. Juni 2011

Maria Grengg (1888-1963): Die Flucht zum grünen Herrgott


Eines der wunderbarsten Bücher aus dem Besitz meiner Mutter ist das Buch „Die Flucht zum grünen Herrgott“ von Maria Grengg (http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Grengg). Schon als Kind las ich es mit großer Begeisterung und in vielen Dingen prägte es mich, bewunderte ich doch die Lebenseinstellung und die Ansichten von Maria Grengg, die ja die Maria in dem Buch auch war, wenngleich es kein reines Tatsachenbuch ist. Die Liebe zu Pflanze und Tier wurde wohl auch durch Maria Grengg in mir geweckt, das Füttern notleidendender Tiere im Winter, das Schauen der Schönheit von Pflanze und Tier. „Die Flucht zum grünen Herrgott“ gehörte auch zu den Lieblingsbüchern meiner Mutter. Als Mitglied der Büchergilde Gutenberg hatte sie es in den 30er Jahren gekauft und noch immer hat es seinen Ehrenplatz bei mir im Bücherschrank.

Maria Grengg hat das Buch selbst illustriert, sie nennt ihre wunderbaren Illustrationen bescheiden „Buchschmuck“, wie sie sich selbst gar nicht als gute Zeichnerin und Malerin sah, die sie aber doch war. Viele der Illustrationen sprechen mich persönlich an, weil diese kleinen Szenen einem so oder ähnlich begegnet sind, so der kleine Salamander im Gras, der Stuhl mit dem Korb voller Birnen und Äpfel, genau so wie er auch bei uns im Herbst in der Veranda stand; eine kleine Maus, die von draußen kam und das Reh welches Maria im Wald halb erfroren fand und es natürlich mit nach Hause nahm um es zu retten, dies im Gegensatz zu grobschlächtigen Menschen, die das Tier vielleicht erschlagen hätten um einen Braten daraus zu machen. Wenngleich mir noch kein Reh begegnet ist, welches halb erfroren war, so doch etliche andere Tiere, so eine ganz schwache Möwe in einem bitter kalten Winter, als die Elbe zugefroren war. Wochenlang päppelten wir sie in unserem Kohlenkeller auf und setzten sie bei Tauwetter wieder aus. Mitten auf dem Elbwall lag diese Möwe und hunderte Menschen gingen damals als Spaziergänger an ihr vorbei und äugten nur doof. Dies war zu DDR-Zeiten! Wenn heute immer wieder die DDR-Zeit verklärt wird, gar behauptet wird, damals wären die Menschen besser gewesen, solidarischer und so, dann ist dies purer Unsinn. Die Menschen waren damals keinen Deut anders. Solidarisch untereinander war nur das SED-und Stasigesindel. Aber das war auch mehr eine Lumperie zu gegenseitigem Vorteil, wie jetzt noch, wo diese alten Seilschaften noch immer an den Futtertrögen sitzen und sich gegenseitig protegieren.

Dann Maria Grenggs Illustration der Standuhr mit dem Schrank daneben, wo ein Glas drauf steht, ja fast genauso wie bei uns zuhause. Ebenfalls die Zeichnung der Hand mit dem Insekt und im Hintergrund eine Pumpe, eine Pumpe wie sie viele Jahre lang an unserem Bassin stand. Na und die Szene mit dem Schmetterling, dem Käfer, den Pusteblumen und dem Tränenden Herzen–Zweig - ja die konnte ich jedes Jahr so erleben, gerade deshalb sind mir die Illustrationen so sympathisch. Ein wichtiger roter Faden des Buches sind die Jahreszeiten, die einen hier in Mitteleuropa so beeinflussen und prägen. Maria Grengg zeigt den Ablauf des Jahres so, wie er, wenn auch ein wenig idealisiert, in immer gleichem Rhythmus abläuft, und dies naturverbunden und es ist damit eine positiver Gegenpart gegenüber der Moderne, wo die Jahreszeiten gleichgeschaltet werden: Erdbeeren im Winter, Sonnenbaden im Winter, durch Reisen in die Tropen und dergleichen mehr.

Zitate aus dem Buch „Die Flucht zum grünen Herrgott“:

„Was ist es, daß ich nicht beten kann zu dem blutigen Christ und auch bei den Heidengöttern nur die Schönheit ihrer Leiber zu mir spricht? Und daß ich die ganze Allmacht und Gott leibhaftig fühle, wenn ich das geheimnisvolle und mir doch so verwandte Leben eines Baumes spüre?“

„Ich stehe dem Mittelalterlichen der Kirche innerlich fremd und abwehrend gegenüber mit meinem schönheitsuchenden, alles Lebendige gleichwertenden Herzen und meinen naturhaften Sinnen. Mein Gefühl wehrt sich gegen den pflanzen-, gewässer- und getierfremden Glauben aus dem palästinischen Wüstenland, den man den Vorvätern nur zu oft mit dem Schwerte aufgezwungen hat. In meiner Liebesbereitschaft für den leidenden Bruder, sei es Tier oder Mensch, neige ich mich aber ehrlich hin zur Lehre dessen, der auch in der Ecke meiner Stube zermartert am Schandholz hängt.“

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